Weihnachten 2020

Liebe Schulgemeinschaft,

leider fallen unsere Gottesdienste im Advent aus. Jetzt in Zeiten von Corona ist unser Leben sehr anstrengend. Wir möchten – gerade in dieser besonderen Zeit – Nähe und keine Distanz. Wir möchten ankommen, irgendwo zu Hause sein. In einer Herberge, bei einem Menschen, geborgen wie im Mutterleib.

Ich möchte Ihnen das Bild einer besonderen Krippe nahe bringen. Die Krippe wirkt auf dem ersten Blick sehr arm und armselig. Sie passt nicht in unser „normales“ Verständnis von Weihnachten. Der Künstler hat den Futtertrog für Tiere, alt und dreckig, die Krippe in ein Tischtheater umgewandelt .Er hat die Krippe mit biblischen Texten und Botschaften beklebt. Im Innenraum sehen wir die Krippenfiguren (Josef, Maria und Kind). Sie tragen im Unterschied zu uns keine Masken. Sie machen uns Mut auszuhalten, durchzuhalten.

An den Wänden im Hintergrund finden sie historische Fotos aus dem Heiligen Land. Das Jesuskind liegt auf einem in Jerusalem aufgefundenen Geschossteil. Der Vordere Orient ist keineswegs eine Region des Friedens, sondern der jahrhundertelangen kriegerischen Auseinandersetzungen. In genau diese Gegend hinein kam Jesus zur Welt. In genau dieser Region erfuhr er Zuneigung und Hass, Annahme und Ablehnung, bis hin zu seinem grausamen Hinrichtungstod. Er machte seinen Weg von der Krippe zum Kreuz.

Ist Weihnachten nur ein Theater, ein Krippenspiel, mit Vorhang auf und Vorhang zu? Ein Schauspiel geht vorüber, bleibt allenfalls kurzzeitig im Gedächtnis der Besucher. Die Krippenszene wurde jedoch Weltgeschichte.

Jesus wurde am Rande, fast unbemerkt, geboren. Das ist es, was das Wunder dieser Geburt so groß macht. Damals ist es mitten in der Welt Weihnachten geworden. An keinem besonderen Ort und auch nicht bei besonderen Menschen, sondern ganz schlicht im Alltag. Dieses Wunder braucht keine idyllische Hintergrundkulisse, keine Beschaulichkeit und erst recht keine heile Welt. Im hintersten Eck, verdrängt, am Rand, verborgen, versteckt, im Niemandsland geschehen mitunter ganz einfache Wunder.

Weihnachten geschieht bedingungslos, ob ich mich darauf vorbereitet habe oder nicht .Es steht nicht in meiner Macht, dieses Fest zu machen. Die Frage ist nur, ob ich das Geheimnis von Weihnachten entdecke. Gott geht nicht auf Distanz. Er kommt zu uns.

Im Herzen verbunden wünsche ich Ihnen eine gute Advents- und Weihnachtszeit; eine Zeit, in der wir mit Abstand die Nähe Gottes besonders erfahren.

Klaudia Dederichs (Schulseelsorgerin)