Schulsozialarbeit im Lockdown: „Individuelle Lösungswege aufzeigen“

Anja Möllers, Schulsozialarbeiterin der Liebfrauenschule Coesfeld, ist auch im Lockdown für die Schulgemeinschaft da. „Der Gesprächsbedarf ist groß“, weiß Möllers, die wie gewohnt telefonisch und auch per Email erreichbar ist. Zudem bietet sie auch Beratungsgespräche in der Schule an – natürlich unter strengen Hygiene-Bedingungen. Einmal in der Woche schickt sie eine Email an die Schülerinnen und Schüler zur Erinnerung an ihre Sprechzeiten: „Mir ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler wissen, da ist jemand, wenn ich Probleme habe, kann ich mich melden.“

Die Problemlagen sind vielfältig, wenn auch ganz anders gelagert als vor der Corona-Zeit. „Für die Schülerinnen und Schüler ist das Distanz-Lernen im Lockdown eine große Herausforderung. Sie müssen ihren Alltag und das Lernen selbst strukturieren, viele haben Angst den Anschluss zu verlieren oder das Lernpensum nicht zu schaffen“, berichtet Möllers. Vereinzelt gebe es Fälle, bei denen schon das Aufstehen am Morgen schwer fällt. Auch die zwischenmenschlichen Kontakte leiden unter der Corona-Verordnung. „Viele fühlen sich einsam, vermissen ihre Freunde und Freizeitaktivitäten“, weiß Möllers. Auch Probleme mit der Technik machen Einzelnen zu schaffen. „Viele wollen nicht offen zugeben, dass sie Probleme mit der Technik haben, da sie denken, dass sie zu der Generation gehören, die das alles können müsse. Sie schämen sich“, erklärt Möllers, die für alle Problemlagen ein offenes Ohr hat und versucht, schnelle Hilfen anzubieten.

Oft seien es auch Lehrerinnen und Lehrer, die auf sie zukommen und darum bitten, das Gespräch mit einzelnen Schülerinnen und Schülern zu suchen. „Gemeinsam suchen wir dann individuelle Lösungswege, damit die Schülerinnen und Schüler nicht aufgeben und abbrechen“, betont Möllers und fügt hinzu: „Wir schauen genau hin, was brauchen diese Schülerinnen und Schüler?“ Oft sind es kleine Dinge, die schon helfen können: Strukturen schaffen, Kontakt mit Lehrern herstellen, technische Probleme beseitigen. In Ausnahmefällen gibt es auch die Möglichkeit, in den Räumlichkeiten der Schule  auf Distanz zu lernen, wenn zum Beispiel die Gegebenheiten zuhause es nicht möglich machen, konzentriert zu arbeiten. „Viele, die sich bei mir melden,  wollen auch einfach sprechen. Ihnen tut es gut, jemanden zu treffen, dem sie erzählen können, wie schlecht es ihnen gerade geht“, weiß Möllers. Mut zusprechen ist also eine der Hauptaufgaben einer Schulsozialarbeiterin. Doch die Hemmschwelle ist bei den Schülerinnen und Schülern aufgrund des Lockdowns größer, aktiv zu werden. „In der Schule ergeben sich oft viele Tür- und Angelgespräche, die fallen jetzt leider weg“, bedauert Möllers. Sie appelliert jedoch an die Schülerinnen und Schüler, sich auch im Lockdown zu trauen, sie zu kontaktieren: „Sie müssen sich für ihre Probleme nicht schämen, es geht vielen anderen auch so.“

Für den Alltag im Lockdown gibt sie wertvolle Tipps. „Zuallererst ist es wichtig, sich eine Alltagsstruktur zu bewahren. Also zu einer bestimmten Zeit aufstehen, sich anziehen, seine Arbeit zu koordinieren. Auch Rituale sind dabei von zentraler Bedeutung“, sagt Möllers. Sie rät dazu, sich stärker mit anderen zu vernetzen, Klassenchats zu nutzen, Lerngruppen zu bilden. Auch die sozialen Kontakte sollen unbedingt weitergepflegt werden. Wenn man sich nicht treffen kann, seien kreative Ideen nötig: „Vielleicht kann man einen Brief schreiben, sich per Telefon verabreden oder sich gegenseitig etwas Nettes vor die Haustür stellen.“  Anja Möllers ist sich sicher: „Nach der Pandemie werden wir alles schnell nachholen, bei einigen wird diese Zeit aber auch Spuren hinterlassen.“

 

Text: Jennifer Kahn