Nachruf für Schwester Maria Johanita

Schwester Maria Johanita, ehemalige Lehrerin an unserer Liebfrauenschule, ist am 17.05.2020 verstorben. Schwester Maria Johanita gehörte der Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau an, war somit Schwester des Ordens, der unsere und viele andere Schulen mit dem Namen Liebfrauenschule gründete.

 

Schwester Maria Johanita wurde 84 Jahre alt. Im Alter von 24 Jahren, 1960, legte sie die ewige Profess ab, trat also auf Lebenszeit in den Orden ein und versprach ein Leben im Geiste der Ordensregeln und des Leitsatzes: „ ... gesandt, die Liebe und Güte unseres fürsorgenden Gottes zu leben.“

 

Schwester Maria Johanita war als Ordensschwester tätig in Lorup, Vechta, Coesfeld, Bocholt, Rom und Turin. Wir durfte sie zu Beginn der 80er Jahre 10 Jahre lang als Kollegin und Lehrerin erleben. Sie arbeitete besonders in der Fachschule für Sozialpädagogik. Die Sozialpädagogin war vor allem in der Praxisbetreuung der zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher tätig. Während dieser Tätigkeit durfte ich sie näher kennen- und schätzen lernen. Als junger Lehrer an der Liebfrauenschule habe ich sie mehrfach begleitet, um mich in die Praxisbetreuung einzuarbeiten. Schwester Maria Johanita kannte ihre Kindertagesstätten sehr genau und war bei den Erzieherinnen und Erziehern vor Ort äußerst beliebt. Es gab immer ein frohes „Hallo“, wenn sie eintraf. Sie hatte offene Arme für die Kindergartenkinder, tiefe Zuneigung zu allen Beteiligten, großes Fachwissen und unendliche Zuwendung bei der Förderung der Studierenden. Ihre Mitmenschen waren für sie ein Geschenk Gottes.

 

Übrigens fuhr sie meistens auf der Mofa in die Kindergarten-Orte – mit einem Helm über dem Schleier der Schwesterntracht. Unsere damalige Schulleiterin Schwester Sighilde hat ihr das dienstliche Mofa-Fahren mehrfach untersagt. Ich glaube, sie hat sich schließlich doch nicht daran gehalten. Bis zum Ende meiner Tätigkeit habe ich hervorragendes Material von Schwester Johanita aus dieser Anfangszeit eingesetzt.

 

Schwester Maria Johanita verließ dann die Liebfrauenschule, um ihrem Leben eine ganz neue Wende zu geben. Rund um die Erde sind Frauen und Männer in der besonderen Tätigkeit der ewigen Anbetung. 24 Stunden am Tag beten sie im Wechsel mit Anderen, nehmen die Anliegen von vielen Menschen in ihre Gebete hinein und tragen sie vor Gott. Es war für mich vollkommen überraschend, dass die so weltoffene und lebenslustige Schwester nun einen ganz anderen, sehr kontemplativen Dienst in der katholischen Kirche übernahm. Dazu ist sie in eine komplett neue Umgebung nach Rom gegangen. Beim Abschied versprach sie für viele bekannte Menschen, auch aus meiner Familie, zu beten. Dafür sind wir ihr sehr dankbar.

 

Nach weiteren Stationen im Orden und vielen Jahren habe ich Schwester Johanita anlässlich von Beerdigungen von Mitschwestern im Kloster Annenthal in Coesfeld wiedergetroffen. Nun war sie äußerlich eine gebrechliche Frau im Rollstuhl. Doch als ihre Stimme erklang und wir uns begrüßten, war die alte Kraft, ihr Humor und Zugewandtheit wieder zu spüren.

 

Und auch das ist so typisch für Schwester Maria Johanita: Sie hat Notizen zu ihrem eigenen Nachruf verfasst und endet mit diesen Worten:

 

Das letzte AMEN werde ich mit Gottes Hilfe allein sprechen mit der Bitte um Erbarmen.

Es sei ein Amen der Liebe, des Dankes, des Lobes, der Anbetung Gottes.

 

Als Schulgemeinschaft denken wir gerne und mit großer Dankbarkeit an Schwester Maria Johanita zurück.

 

Wolfgang Senk - im Mai 2020