Gottesdienst am Schuljahresende 2018/19

Am letzten Schultag des Schuljahres 2018/19, am Freitag, 12.07.2019, feierte die Schulgemeinde der Liebfrauenschule Coesfeld zusammen mit der emiritierten Pastorin Renate Langenheder von der evangelischen Gemeinde Billerbeck einen ökumenischen Gottesdienst. Das Motto des Gottesdienstes lautete "Geboren, um zu leben."

 

Schülerinnen, Schüler und Studierende aus verschiedenen Bildungsgängen hatten den Gottesdienst im evangelischen  Religionsunterricht bei Herrn Muschner vorbereitet.

"Es gibt eine tiefe Sehnsucht nach Sinnerfahrung in uns Menschen.

Sie ist unausrottbar.

Sie ist ewig.

Heute am Schuljahrsende geben wir dem Fragen nach dem Sinn einen Raum,

wollen aus dem Rückblick auf das vergangene Schuljahr

Impulse mitnehmen in unsere freie Zeit und in unsere weitere Entwicklung als Menschen.

Denn die Frage nach dem Sinn begleitet uns ein Leben lang.

Ihr, die jungen Leute, seid damit noch am Anfang,

sucht nach Euren beruflichen und privaten Wegen.

Eure Ausbildung hier an der Schule und in den Praktikumsfeldern führt Euch dabei in die bewusste Auseinandersetzung mit der Frage:

Was will ich in der Erziehungsarbeit, in der Begleitung behinderter oder alter Menschen an Inhalten und Lebensformen weitergeben. An welchen Haltungen an mir möchte und muss ich arbeiten, um meine menschlichen und beruflichen Ziele zu erreichen.

Dabei werden auch Phasen Eures eigenen Lebens berührt, die ihr schon hinter euch habt, eure Kindheit und frühe Jugend. Einige Eurer Mitschülerinnen und Mitschüler geben Euch heute Morgen Anteil an ihren Reflexionen auf diesem Weg zur Festigung der eigenen Lebensziele."

 

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Frau Schleuter, Herrn Muschner, Herrn Tepe und Herrn Grund.

Unterstützt von der Abiturientin Sandra Döring als Sängerin.

 

"Wir halten Rückblick... Gehen weit zurück!... Unser Leben ist eine Antwort auf die Liebe zweier Menschen... Vater und Mutter waren und sind für uns:

 -gesellige und sehr offene Menschen, sie haben uns als Kinder eingebunden in      ihre Aktivitäten mit Freunden

-sie sind die zielstrebigsten Menschen, die ich kenne

-sie zeigen sich keine Liebe

-sie haben mich gelehrt, dass ich alles schaffen kann

 -sie lassen mir die Freiheit, die ich brauche,

 -manchmal sind sie sehr aufbrausend und haben sich nicht im Griff

-die Scheidung meiner Eltern war für mich niederschmetternd

-mich hat immer aufgebaut, dass ich in allen Situationen zu meinen Eltern kommen kann

-wir bekommen als Kinder jeden Streit der Eltern mit, das ist fast nicht auszuhalten

 -meine Eltern wollten, dass ich ein freundlicher und höflicher Mensch werde

  -meine Eltern waren nie da. Sie haben mich immer allein gelassen

  -ich wünsche mir, dass meine Eltern nach langen Jahren der Trennung wieder zusammenfinden

 -meine Eltern schreien mich an, wenn ich etwas tue, was sie nicht gut finden, und dann ignorieren sie mich

-in Gedanken bin ich 9 Jahre alt und für mich ist selbstverständlich, die Eltern  sind immer für mich da und Zeit ist unendlich. Jetzt weiß ich, das ist nicht so."

 

"Geboren um zu leben" - Zwei Gruppen stellen sich auf, Mutter/Vater

" Mutter und Vater sind die schönsten Wörter auf der Welt"

 

Meine Mutter:

-sturköpfig und temperamentvoll, das habe ich von ihr

-sie unterstützt ihre Kinder, egal worum es geht,

-sie strahlt Ruhe aus, ist fürsorglich und zuversichtlich

-sie hat Zeit mit uns verbracht und hat Ausflüge mit uns gemacht

-wir reden über alles miteinander, lachen und weinen

-sie kämpft darum, dass es uns gut geht, ihren Kampfgeist möchte ich in mein Leben mitnehmen

 -meine Mutter ist ein Zufluchtsort

-sie steht mir sehr nahe und wir haben ein gutes Verhältnis

-meine Mutter ist oft zu locker und zu nachgiebig

 

Mein Vater:

 -lustig- provokant und hat Humor

-hat sich nie für uns interessiert, er war nur am Wochenende da.

-man konnte es ihm selten recht machen

-seine Arbeit stand immer im Vordergrund oder seine Freunde, mit denen er immer gesoffen hat

-mein Vater ist so eine Art Kumpel, er macht auch Blödsinn mit mir  und schmeißt den Haushalt, wenn meine Mutter nicht da ist

-mein Vater holt mich ab, wenn ich feiern gehe, egal wann

-mein Vater ist eher ein Bekannter, zu dem ich auf Distanz gegangen bin

 -ich habe Gewalt erlebt von meinem Vater

 

Geboren um zu leben

"Während meines Praktikums habe ich einen Überlebenden aus dem KZ Buchenwald ins Krankenhaus transportiert.

Mir fiel gleich sein typisches Zahlentattoo auf. Ich kam mit ihm ins Gespräch.

Er erzählte mir von sich aus seine Geschichte, wie er als 6jähriger den Holocaust überlebte. Obwohl er seine Familie verloren hatte, war er ein glücklicher Mensch und strebte nicht nach Rache, sondern konnte vergeben.

Jedoch kann er nicht vergeben, dass die Menschheit immer noch nicht gelernt hat, ihre 'nationalen' Differenzen bei Seite zu legen und in Frieden mit einander zu leben."

 

"Ein Bewohner, den ich kennengelernt habe während meines Praktikums hatte in seinem 8. Lebensjahr einen Unfall mit einem Bus. Das heißt, er wurde von dem Bus angefahren und ist dadurch geistig sowie körperlich behindert. Vor seinem 8. Lebensjahr hatte er keine Behinderung. Er zog sich beim Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma zu und viele Brüche in der Wirbelsäule und einen Bruch im Knie. Er musste viele Operationen überstehen. Ebenfalls bekam er die Krankheit Epilepsie.

Nach seinem Unfall ist auch noch seine Mutter verstorben. Sein Vater hat ihn auf Grund seiner Behinderung abgestoßen und so hatte und hatte er nur noch seine Mutter. Wegen seiner schlimmen epileptischen Anfälle zieht er sein rechtes Bein hinterher. Trotz dieser Umstände im Kindesalter ist er ein glücklicher und offener Mensch."

 

Text: M. Muschner und G. Emmerich

Fotos: G. Emmerich