Gottesdienst zum Schuljahresende 2016/17

Am letzten Schultag des Schuljahres 2016/17, am Freitag, 14.07.2017, feierte die Schulgemeinde der Liebfrauenschule Coesfeld zusammen mit...

DSC07991.JPG

Pastorin Renate Langenheder von der evangelischen Gemeinde und...

DSC07990.JPG

Frau Dederichs,  Schulseelsorgerin der Liebfrauenschule, einen ökumenischen Gottesdienst in der Aula.

20170626_085934.jpg

Das Thema des Gottesdienstes lautete "Von Luther zu mir".

"Die Weltkirche feiert 500 Jahre Reformation.

Der Thesenanschlag von Wittenberg 1517 durch den Augustiner-Mönch Martin Luther hat die Welt verändert.

Keine Sorge, wir betreiben jetzt nicht eine Aufarbeitung dieses gewichtigen Themas, wir stellen uns vielmehr der Tatsache, wie viel ein einzelner Mensch vermag, wenn er es denn ernst meint mit seinem Leben in Verantwortung gegenüber dem Evangelium, gegenüber Gott.

So lassen wir jetzt Martin Luther lebendig werden, hier heute morgen, für einen ganz entscheidenden Augenblick seines Lebens."

DSC08025.JPG

1505 - Martin Luther ist unterwegs, allein. Plötzlich ziehen sich Wolken zusammen, ein Gewitter kommt auf. Regen setzt ein, Blitze erhellen die Nacht. Keine Herberge weit und breit. Nicht mal ein Unterstand.

Der Wanderer beginnt sich zu fürchten.

Plötzlich schlägt ein Blitz unmittelbar neben ihm ein. Martin erleidet Todesangst, fürchtet, vom Blitz erschlagen zu werden.

Er fällt hin und schreit:

Heilige Anna, hilf! Läßt du mich leben, so will ich ein Mönch werden.'

Martin überlebt unverletzt, das Gewitter zieht vorüber. Erregt erzählt er am nächsten Tag seinen Freunden, was ihm in der Nacht widerfahren ist.

Er verkündet, an seinem Gelübde festhalten zu wollen.

Seine Freunde sind seine Kommilitonen, denn Luther hatte kürzlich erst erfolgreich seinen Abschluss in Jura gemacht.

Die Freunde sagen: Du bist verrückt.

Doch Luther wird Mönch.

Er tritt in das Augustiner Stift ein, in einen der strengsten Orden seiner Zeit.

DSC08001.JPG

Welches Ereignis in meinem bisherigen Leben hat mich zu neuen tiefgreifenden Entscheidungen geführt?

Schülerinen und Schülerinnen wurde diese Frage im Laufe der Vorbereitung für den Gottesdienst im Unterricht gestellt. Die Antworten wurden nun gesammelt im Gottesdienst vorgetragen.

DSC08017.JPG

„Der Tod eines Arbeitskollegen hat mir die eigene Endlichkeit widergespiegelt und mir den Fokus zurückgegeben auf die wichtigen Momente des Lebens. “

„Ein großer Streit mit meinen Eltern hat mir gezeigt, wie unfair sie sein können. Ich kann den Lebensstil meiner Eltern und meinen nicht miteinander vereinbaren. Ich weiß definitiv, dass ich nicht leben will wie sie.“

DSC08010.JPG

„Ein einschneidendes Erlebnis war für mich bis jetzt der Tod meiner Mutter. Nach diesem plötzlichen Ereignis haben die Spannungen zu meinen Großeltern, welche sich für mich zuständig gefühlt haben, dazu geführt, dass ich in die Nähe von Münster gezogen bin.“

„Vor knapp zwei Jahren sah ich im Fernsehen eine Dokumentation über die kämpferischen Auseinandersetzungen in Syrien. Der Film rückte einen Mann in den Vordergrund, der die Rebellen in der Stadt Homs anführte. Mehrere Schussverletzungen hielten ihn nicht davon ab, für seine Schwestern und Brüder zu kämpfen. Seine Hoffnung auf Freiheit für seine Mitmenschen hat mir sehr großen Eindruck gemacht. Als ich wenig später im Fernsehen sah, wie wie ein Bus mit Flüchtlingen aus Syrien in Deutschland mit nationalsozialistischen Parolen empfangen wurde und Kinder und Frauen weinend unter Polizeischutz aus dem Bus gleitet werden mussten, kam so viel Wut in mir hoch, dass ich beschloss, mich selbst in der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten zu engagieren.“

DSC08016.JPG

„In den vergangenen Jahren wurde ich in der Schule sehr viel gemobbt. Als ich mich entschlossen hatte, meiner Mutter und meinen Lehrern davon zu erzählen, bekam ich Hilfe durch einen Psychiater. So wurde ich zu dem Menschen, der ich heute bin. Aus diesen Ereignissen habe ich mitgenommen: es ist keine Schande, um professionelle Hilfe zu bitten.“

DSC08001.JPG

Von Luther zu mir: Der Weg scheint  nicht weit.

Sind es die schweren Erfahrungen, die uns weiterbringen, uns konsequenter leben lassen?

Martin Luther fand im Kloster keinen Frieden für seine geängstigte Seele. Vielmehr sah er sich von der Frage umgetrieben: Wie finde ich einen gnädigen Gott?

Welche Gedanken und Empfindungen löst diese Frage in mir heute  aus?

Ist es meine Frage?

War es je meine Frage?

Wünsche ich mir, dass diese Frage mich berührt?

Einige unserer MitschülerInnen haben sich auch diesen Fragen gestellt und ihre Antworten formuliert:

„Wie finde ich einen gnädigen Gott, das ist überhaupt nicht meine Frage. Ich kann damit nichts anfangen und diese Frage berührt mich in keinster Weise. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Frage mich je berühren wird.“

DSC08002.JPG

„Wenn ich in meinem Leben existentielle Ängste, wie z. B. Todesangst hatte, dann habe ich Versprechen in meinen Gedanken formuliert. Durch das Ausführen habe ich mir einen gnädigen Gott gesucht.“

DSC08021.JPG

„Mit der Frage nach dem gnädigen Gott habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Diese Frage hat für mich auch keine Relevanz, da ich nicht glaube, dass es einen Gott gibt, der einem gnädig gestimmt sein muss.“

„Wer gibt vor, dass es Gott gibt und wer sagt, er sei gnädig?“

Von Luther zu mir! - Ist der Faden nun gerissen zwischen ihm und uns?

Die Frage nach Gott und ob er da ist, wird sich uns stellen, so lange wir leben. Gott selbst hält diese Frage in uns wach.

Aber die Einsicht in diese Wahrheit ist nicht machbar.

Und manchmal stehen wir Leute der Kirche dieser Einsicht sogar im Weg.  Luther kam mit den Antworten der Kirche seiner Zeit nicht zurecht.

Damals wurde gesagt, wenn du dich anstrengst, gute Werke tust und viel Geld spendest, dann wird Gott dein Leben gnädig ansehen und dir Höllenstrafen ersparen. 

So kann Gott nicht sein, dachte Luther und versuchte sich darin, in der Bibel zu lesen und der Frage auf der Spur zu bleiben: Wer ist Gott? Wie finde ich ihn?

Und seine Erkenntnis?

Gott hat uns gefunden in seinem Sohn Jesus Christus.

Der Abstand zwischen Gott und uns Menschen ist so groß, dass nur Gott selbst diesen Abstand überwinden kann in seinem Sohn Jesus Christus.

Das Leben ein Fest des Glaubens?

Martin Luther war sicher, dass die Menschen gern die Freiheit ergreifen würden,

ihren eigenen Weg des Glaubens gestalten zu dürfen, ohne Gängelei und kirchliche Vorschriften und angsteinflössende Gottesvorstellungen. Grundlage für den eigenen Weg des Glaubens war für ihn die Bibel, die er deshalb ins Deutsche übersetzte, damit jeder Christ die Möglichkeit haben sollte, aus ihr den Willen Gottes herauszuspüren für das eigene Leben.

So war Luthers eigenes Bibelstudium und vor allem seine Auslegung des Römerbriefes die Grundlegung der Reformation.

Inzwischen war er als hoch begabter Mönch Professor der Theologie und trug seine Erkenntnisse den Studierenden an der Universität in Wittenberg vor.

Er blieb mit seinen Einsichten bezüglich des Evangeliums nicht hinter den akademischen Mauern, sondern alle sollten von der Wahrheit des Evangeliums hören und sie verinnerlichen. Der Mensch wird gerecht vor Gott allein durch den Glauben an Jesus Christus.

Spüren wir noch den Geist der Freiheit der durch diese Worte uns anweht?

Wir sind 500 Jahre weiter!

DSC08027.JPG

Von Luther zu mir.

Mein Leben ein Fest des Glaubens?

Mein Leben ein Fest des Teilens und des Heilens?

Ein Leben in der Zuversicht, dass alles gut wird?

Was ist Ziel meines Lebens?

Auch dazu haben unsere MitschülerInnen Beiträge erarbeitet:

 „Ich muss mit mir selbst in Einklang sein um glücklich zu sein. Egal ob dick oder dünn, lange oder kurze Haare, erfolgreich oder ärmlich, das alles ist so unglaublich egal, denn sterben werden wir alle allein, allein für uns als Person. Deshalb möchte ich als Ziel meines Lebens mir setzen, mich selbst zu lieben, denn nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben.“

 „Auf dieser Erde, so wie sie derzeit ist, kann man nicht glücklich gelebt haben, finde ich persönlich, außer die Geschehnisse auf der Welt interessieren einen nicht. Ich will, solange ich auf dieser Welt leben, auch im Rahmen meiner Ausbildung andere unterstützen und ihnen etwas Gutes tun, weil wenn auch die Menschen untereinander aufhören, sich für einander zu interessieren, bricht alles noch mehr auseinander.“

 „Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten, ständig ändern sich die Bahnen und Pläne müssen über den Haufen geschmissen werden. ... Am Ende meines Lebens möchte ich sagen können, ja, mein Leben war schön und ich bereue nichts.“

„Es wäre schön, wenn auch mein Leben, meine Gedanken, mein Handeln etwas in anderen Menschen bewegen könnten.“

So lange wir so bitten und rufen sind wir auf dem Christusweg.

Seine Gegenwart reicht in die tiefsten Tiefen und in die größten Höhen des Glücks, er bleibt in all unseren Alltäglichkeiten präsent, immer nur ein Gebet weit entfernt.

Von Luther zu mir.

Auch Martin Luther war ein Suchender. Am Ende seines so erkenntnisreichen und glaubensstarken Lebens sagte er kurz vor seinem Tod:

Wir sind Bettler, das ist wahr.

Der unendlichen Lebensfülle Gottes, auf die wir zugehen im Tod, haben wir nichts entgegenzusetzen und ihr gegenüber nichts zu beanspruchen.

Gnade vor Gott und ewiges Leben ist uns in Jesus Christus zugesagt.

Nur in IHM. Das zählt.

Mit dieser Gewissheit im Rücken lasst uns leben und arbeiten und genießen in Verantwortung vor Gott und den Menschen.

Lasst uns nun Ferien haben und das Gefühl von Freiheit und unbeschwertem Sein spüren. Es ist das Gefühl der Gotteskindschaft und dass diese Erde ein Haus ist, das uns schützt und nährt. Wie kostbar sind diese Momente. Hüten wir sie für uns und für andere.

DSC08022.JPG

Die Lehrerband unterstützt durch die tolle Stimme von Sandra Döring (AHE 11b)

 

Mit dem Segen von  Pastorin Renate Langenheder von der evangelischen Gemeinde und dem Schlusslied "Möge die Straße" ging es schließlich in die Ferien.

Vorher standen allerdings noch Aufräumen und die Zeugnisausgabe auf der Tagesordnung.

Fotos und Text: G. Emmerich