WIR, DIE AHE 13b, STEHEN HIER UM UNS AN EUCH ZU ERINNERN! - Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust auf dem jüdischen Friedhof in Coesfeld

Wir, der Geschichtskurs der AHE 13b, beschäftigten uns im letzten Schuljahr mit dem Thema „Abschaffung der Demokratie in Deutschland unter den Nationalsozialisten“.  Der Ausgangspunkt unserer Recherche war die Gedenkstele der jüdischen Coesfelder bei uns im Schlosspark, den wir als Schulhof nutzen. Schnell wurde uns klar, dass wir nicht viel über die Gruppe der jüdischen Coesfeldern wussten, die die Stele am damaligen Sammelpunkt kurz vor ihrer Deportation am 10. Dezember 1941 zeigt.

Als besonderen Ort der Quellenrecherche wählte Frau Potthoff das Stadtmuseum Coesfeld. In einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit unter dem Titel „Und auf einmal waren sie nur noch eine Nummer“ stießen wir zusammen mit der Historikerin Frau Zimmermann auf die Geschichten zweier jüdischer Coesfelder, die im Konzentrationslager getötet wurden:

Albert Cohen war ein jüdischer Mitbürger, der aus Horstmar stammte und seit 1939 in der Kupferstraße in Coesfeld lebte. Seine Eltern hatten seit vielen Jahren eine Metzgerei in Coesfeld. Er wurde am 8. Mai 1940 verhaftet, am 23. Mai aufgrund von sogenannter „Rassenschande und Beihilfe zur Abtreibung“ in das KZ Buchenwald deportiert und starb schließlich nach erneuten Deportationen im KZ Dachau auf der Malariaversuchsstation.

Erich Eichenwald war ein erfolgreicher Kaufmann und Abteilungsleiter bei der Firma Tietz in Wuppertal. Er wurde am 22. August 1939 auch aufgrund von sogenannter „Rassenschande“ durch sexuelle Kontakte zu den sogenannten „Ariern“ verurteilt und ins KZ Auschwitz gebracht, wo er nach 10 Monaten Haft laut Akten an „Durchfall“ starb.

Die Schicksale von Albert Cohen und Erich Eichenwald haben uns tief bewegt und erschüttert. Wir wählten Begriffe des menschenverachtenden NS-Vokabulars, die uns in den Quellen begegnet waren, um an sie zu erinnern. Diese seht ihr auf dem Foto.

Die Einsicht in die historischen Dokumente aus der Zeit der systematischen Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten, auch in Coesfeld, haben uns sprachlos gemacht.  Für unsere Generation rückt die Zeit der Nationalsozialisten in weite Ferne. Die meisten von uns wurden im Jahr 2000 geboren, 87 Jahre nach Albert Cohen. Wir haben das unfassbare Glück, dass unsere demokratische Grundordnung für uns heute eine Selbstverständigkeit ist.  

Doch schauen wir genauer ist Antisemitismus immer noch in unserer Gesellschaft präsent. Mit Besorgnis nehmen wir wahr, dass in der heutigen Politik international eine veränderte zugespitzte Rhetorik existiert. Sprache schafft Wirklichkeit und beeinflusst unser Denken!

Wir können die Vergangenheit nicht rückgängig machen, aber wir können an euch erinnern und müssen es auch tun, damit so etwas Schreckliches nie wieder passiert.

Unsere Umfrage von 130 Schülerinnen und Schülern der Oberstufe der Liebfrauenschule hat ergeben, dass nicht einmal ein Viertel der Befragten wusste, wofür die Menschengruppe im Schlosspark steht. Dies wollen wir hiermit ändern!!!

Hier findet ihr das Informationsblatt zur Stele, das das Riga-Komitee der Stadt Coesfeld ganz aktuell überarbeitet hat.

BILDUNG VERHINDERT DAS VERGESSEN! SEI AUCH DU DABEI!

Text: Stefanie Dickmanns, Sandra Döring, Anna Hanning, Fabienne Rafael, Stefanie Potthoff

Bilder: S. Potthoff