Adventsgottesdienst 2019

Der diesjährige Adventsgottesdienst fand am Freitag, 20.12.2019 ab 10.00 Uhr in der Jakobikirche statt. Thema des Gottesdienstes war "Visionen eines Neuanfangs".

Der Gottesdienst wurde dieses Jahr von Studierenden der SPU und Frau Dederichs vorbereitet.

Pater Daniel feierte mit der Schulgemeinde den Gottesdienst.

Einige Schülerinnen, Schüler und Studierende der Liebfrauenschule hatten in den vergangenen Tagen im Religionsunterricht Ihre „Visionen“ auf Karteikarten geschrieben. Diese Karten wurden gesammelt und in einer Powerpointpräsentation gezeigt. Visionen helfen, dem Leben eine Richtung zu geben. Erich Fromm, Philosoph und Psychoanalytiker, hat einmal gesagt: "Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man sich sehnt, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen."

Frau Dederichs zitierte einen ihrer Lieblingssätze aus der Bibel:„Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.“ Er steht in den Sprüchen Salomos. Martin Luther hat ihn übersetzt: „Wo keine Weissagung ist, da wird das Volk wüst und wild“. Die Gewaltbereitschaft nimmt in unserer Welt zu. In der Politik, in der Wirtschaft, in der Kirche, im persönlichem Leben. Wir brauchen Visionen. Aber ich habe den Eindruck, dass sie verdrängt werden und zurücktreten. Wenn Menschen einander lieben und ein Stück ihres Lebens teilen wollen, dann geht das nur, wenn sie auch ihre Visionen teilen. Es genügt nicht zu wissen, wie schön und wie intelligent der andere ist. Um den anderen zu verstehen, muss ich wissen, was seine Vision vom Leben ist.

Aber unsere Visionen sind gefährdet. Es gilt ein Utopieverbot. Du sollst keine Vision haben. Begnügt dich mit dem, was ist! Sei pragmatisch! Alles andere rechnet sich nicht. Doch damit zerstört man die Vision und die Religion. Die Visionen werden begrenzt auf das rational Machbare. Wir zerstören uns damit selbst. Aber wir brauchen die Vision, die Hoffnung, den Traum von einer besseren Welt, gerade angesichts unserer derzeitigen Katastrophen.

In Anbetracht der gegenwärtigen Weltlage - politisch, gesellschaftlich, ökologisch sind Visionen lebensnotwendig, um beherzt in die Zukunft zu sehen und zu gehen.

Es muss im Leben mehr als alles geben.

Zu allen Zeiten haben Menschen Visionen gehabt, einen Ausblick aus ihrer oft dunklen Gegenwart in eine lichte Zukunft. Ihre Aussichten wurden Wirklichkeit, als tatsächlich eines Nachts Hoffnung geboren wurde! Die heilige Nacht, die Weihnacht ist erfüllt von einer großen Vision. Im Stall sind Mensch und Gott, Tier und Kind vereint. Es ist ein Bild der großen Versöhnung, ein Bild der vollkommenen Gemeinschaft, der Ausdruck einer uralten Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Heimat und Geborgenheit, nach Freiheit.

Die Geburt eines Kindes ist der Beweis, dass Gott diese Welt immer noch nicht aufgegeben hat. Wenn ich mich davon berühren lasse, dann wird Weihnachten in mir, das Fest eines Neuanfangs, die Einlösung einer Vision.

Die Geburt Jesu bedeutet, dass unsere Zukunft schon begonnen hat. Der Blick darauf schenkt Zuversicht. Die Sehnsucht danach verändert, weil sie uns eine neue Perspektive für das Leben gibt. Weil sie über unseren Horizont hinausgeht. Der Grund für diese Hoffnung ist „Weihnachten“. „Gott wird Mensch“! Weihnachten ist eine Hoffnungsgeschichte. Wir sind Teil dieser Hoffnungsgeschichte. An Weihnachten feiern wir diese Geschichte. Wir sollen nicht bei alten Lebensproblemen, Ängsten und Sorgen, Verlusterfahrungen und Trauer, Problemen in der Schule und im Privatleben stehen bleiben, sondern die Tür öffnen und durch sie hindurchgehen. Jeder Tag bietet neue Zugänge zum Geheimnis, dass Gott in diese verschlossene Welt hinein Mensch wurde. „Keep Door Clear at all Times“ - Halte diese Tür allezeit frei! Das steht auf unserer vierten Tür im Advent.

Text und Fotos: G. Emmerich