Tansania-Projektgruppe 2015

Der Bericht ist einerseits nach Wochen und andererseits in Themengebiete gegliedert – man kann also nur lesen, was einen am meisten interessiert. Lebendige Erfahrungsberichte werden auf Nachfrage gern von den Mitfahrern gegeben.

Am Montag, den 28. September 2015, ging es für die letzte Projektgruppe los. Zu Siebt stiegen wir jeder mit über 40 kg Gepäck, besten Wünschen für die Reise und voller Tatendrang in Coesfeld in den Zug. Was würde uns wohl erwarten? Habe ich alles Wichtige eingepackt? Habe ich meinen Rasierapparat dabei und kann man vor Ort wohl Nutella kaufen?

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Die Tansania-Projektler im Herbst 2015: Sr. Almuth, Peter Hollmann, André Hinken, Jannik Schürmann, Pia Fallenberg, Anna Schrey, Frederike Herbstmann (von links nach rechts)

Die erste Woche:

Anreise und Arusha: Nach knappen 24 Stunden sind wir im Spiritan House in Arusha angekommen. Dort konnten wir die ersten beiden Tage verbringen, um uns an einfachere Lebensverhältnisse zu gewöhnen. In der großen Stadt liegt Reich und Arm – Security und brennender Müll – direkt nebeneinander. Genug Zeit sich mit Mobilfunkkarten, tansanischen Schilling und frischen sowie haltbaren Nahrungsmitteln einzudecken und schon mal den Massaimarkt zu besuchen.

Am Donnerstag ging es dann raus nach Loiborsiret. Ca. 4 Stunden mit dem Jeep durch die Pampa – Reifenpanne und Pausen für das Beobachten von Gazellen(?), Giraffen und Äffchen eingeschlossen.

Erste Eindrücke: Vor Ort haben wir tagsüber mindestens 30 Grad im Schatten, holen Wasser mit Eimern aus einer Zisterne und essen Schwarzbrot mit Scheiblettenkäse – das ist hier größter Luxus. Wie versprochen gibt es keine Elektrizität, keine asphaltierten Straßen, keine Beleuchtung und keine Kanalisation. Dafür haben wir Feldbetten und Etagenbetten, einen atemberaubenden Sternenhimmel und einen Mobilfunkmast am Horizont.

Die Baustelle: Das Fundament der Klassenräume fünf und sechs waren schon fertig, somit konnten wir sofort durchstarten. Wir haben zusammen mit den 6 Bauarbeitern nur zwei Tage gearbeitet, sind aber gut vorangekommen.

 

Die zweite Woche:

Wir haben viel gearbeitet und gesehen, aber Grund zum Feiern gab es auch.

Unser Alltagsleben: Ein normaler Tag startet für uns kurz vor 7 Uhr mit einer schnellen Katzenwäsche, damit wir um 7 Uhr auf der Baustelle beginnen können mit Wasser holen, Wände wässern, damit sie nicht brüchig werden, Sand- und Zement holen, damit die Bauarbeiter fleißig mauern können.

Um 8:30 Uhr gibt es Frühstück. Dafür sind immer schon zwei unserer Gruppe vorgegangen, um Wasser für Kaffee und Tee zu kochen und den Tisch zu decken. Es gibt reichlich Pumpernickel, Scheiblettenkäse und Mettwurst.

Nach einer Stunde geht's wieder an die Arbeit – bis um 13:00 Uhr.

Wir kochen immer selbst: in purem Luxus mit Gas draußen unter einem Wellblechdach. Meist gibt es Kartoffeln oder Reis mit Tomaten und Zwiebeln. Bislang immer reichlich.

Von 15:00 Uhr ab arbeiten wir dann noch einmal gut 2 Stunden bis Feierabend.

Dann freuen sich alle auf eine kurze kalte Dusche, um zusammen zu Abend zu essen und dann in den Sternenhimmel zu blicken. (Um 19:00 Uhr ist es hier zappenduster. Dann stürzen sich hier gleichzeitig dutzende Fledermäuse auf die Moskitos.)

Besuch bei den Massai: Diese Woche waren wir zum ersten Mal bei den Massai in einer Boma (mit Dornenbüschen abgegrenzte Ansammlung von Lehmhütten). Ich kann meine Eindrücke noch nicht richtig in Worte fassen. Diese Menschen leben in absoluter Armut. Lehmhütten mit Strohdächern, ein paar Ziegen und die Kleidung am Leib. Keine befestigten Wege, kein Wasser, kein Strom, keine Fenster, keine Betten im westlichen Sinne. Dafür viele Kinder und Traditionen wie Mädchenbeschneidung (offiziell verboten) und teilweise Brautpreis und teilweise Zwangsheirat.

Feste feiern – Sr. Almuths Ordensjubiläum: Samstagmorgen wurden um kurz nach 6 Uhr (und damit kurz nach Sonnenaufgang) eine Kuh und eine Ziege geschlachtet. Der muslimische Schlachter hat den berühmten kurzen Prozess gemacht. Sehr eindrucksvoll. Es folgte eine Prozession und eine knappe vierstündige Feier mit Gottesdienst und anschließendem Mahl. Extrem eindrucksvoll, besonders der Chor.

 

Die dritte Woche:

Auch unsere dritte Woche brachte wieder einige Highlights mit sich. Besonders das Kinderfest am Freitag und eine fast 10-stündige Safari am Samstag bleiben sicherlich unvergesslich.

Die Baustelle: Auf der Baustelle gibt es diese Woche nicht ganz so viele Fortschritte zu sehen wie sonst, da durch einen Feiertag Arbeitszeit wegfiel und wir die Stahlgerüste für den Stahlbeton per Hand "geklöppelt" haben, was viel Zeit in Anspruch nahm. Dafür haben wir das Fundament für die neue Schulküche und ein Nachtwächterhäuschen angelegt.

Schule und Kinderfest: Das Fest, dass wir am Freitag zusammen mit den Schwestern für die Kinder ausgerichtet haben, war ein großer Erfolg. Die Kinder konnten Fußball spielen, Seilspringen, unters Sprungtuch, Mandalas malen oder Hals- und Armbänder basteln. Außerdem gab es Luftballons und Lutscher. Am Abend kam dann eine Mutter vorbei, um jedem von uns ein kleines Perlenarmband zu schenken. Total schön.

Safari: Mein Erlebnis der Woche war unsere Safari am Samstag. Statt eines Spaziergangs zu Fuß wurde beschlossen zusammen mit einigen Schwestern und Lehrern einen Jeep zu mieten und quasi einen Betriebsausflug zu machen.

Um 7 Uhr sollte es losgehen. Wie lange das Ganze dauern sollte, konnte uns leider niemand sagen und so rechneten wir mit einer Rückkehr am frühen Nachmittag. Erste Irritation entstand bei der Ankunft unseres Fahrzeugs: Mit insgesamt 15 Personen sollten wir in einen Achtsitzer steigen – ist vielleicht nur für die sicherlich kurze Fahrt, dachte ich. Immerhin mussten wir stehen, aufeinandersitzen oder einen Platz auf dem Dach finden!
 

Unser erster Stopp war ein Camp, das Schulungen und soziale Projekte durchführt. Da können wir uns noch die Wasser- und Stromversorgung abgucken.

Wir müssen das Wasser fast zu 100% anliefern lassen und dann noch mit Seil und Eimer aus einer Zisterne ziehen (zum Duschen haben wir sonnenwarmes Wasser aus einem Tank, der direkt mit der Dusche verbunden ist).

Zweiter Stopp war ein Berg, von dem man eine atemberaubende Rundumsicht hatte und auf dem wir einen Katecheten getroffen haben, der dort drei Tage fastete und betete. War tatsächlich mein persönliches Highlight. Nach einer Reifenpanne (Reifenwechsel ist Routine hier) fuhren wir dann noch in eine Luxus-Lodge, in der die Nacht ca. 650 € kostet und in der man gegen einige tausend Euro einen Geparden schießen kann. Grausam, aber nicht weniger beeindruckend.

Nachdem wir dann noch ein Mal liegen blieben, da der Tank plötzlich leer war (weder Tank- noch Geschwindigkeitsanzeige funktionierten), kamen wir völlig zerstört und verbrannt zum Camp zurück. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt.

 

Die vierte (und letzte) Woche:

In der letzten Woche in Tansania haben wir noch einmal ordentlich "Gas gegeben".

Der Bau der Klassenräume ist im Rohbau beendet (vor allem der Stahlbeton hat lange gebraucht) – es fehlt nur noch das Dach. Dafür haben wir nebenbei Fundament und Rohbau der neuen Schulküche und des Nachtwächterhäuschens erledigt. Im Folgenden kurz einiges zum Abschied vor Ort, den Nationalparks und der Rückkehr nach Deutschland.

Abschied: Der Abschied von den Kindern und den Schwestern war wirklich schön. Am letzten Tag haben sich die Kinder von uns verabschiedet, indem die gesamte Schule im Innenhof für uns gesungen hat, um uns anschließend mit Geschenken zu überhäufen (Armbänder und Halsketten).

Dann gingen wir noch durch die Klassen, um T-Shirts, Taschen oder andere Geschenke zu verteilen und mit den Klassen Fotos im fast fertigen Neubau zu machen.

Von den Schwestern wurden wir am letzten Abend verabschiedet. Wir beteten die Vesper und aßen gemeinsam. Zum Ausklang eines wirklich schönen Tages haben wir uns noch gemeinsam beschenkt.

Von den Massai und unseren Bauarbeitern hatten wir uns schon in den Tagen zuvor verabschiedet, indem wir ein gemeinsames Essen für die Bauarbeiter ausgaben (zubereiteten) und all unsere Arbeitskleidung weitergaben bzw. indem wir all unsere Kleiderspenden inklusive Schlafsäcken, Decken und sonstigen Dingen unter den Massai verteilten. (Und schon war das Reisegepäck fast 30 kg(!) leichter.)

Nationalparks: Eigentlich war geplant gewesen, am Sonntag in den Tarangire-Nationalpark zu fahren. Allerdings kamen uns die Wahlen dazwischen – die Nationalparks haben dann geschlossen, hieß es.

Also mussten wir den Fahrer, der uns am Samstag abholte, kurzerhand überzeugen, durch den Nationalpark zu fahren. Gesagt, getan.

Besonders beeindruckend waren vor allem die vielen, vielen Elefanten. Wir haben aber auch Zebras, Giraffen, Büffel, Strauße, Affen, viele Gazellenarten und viele andere Tiere gesehen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal mitmache. Weil wir den Sonntag nun frei hatten, ging es noch "mal eben schnell" zum Kilimandscharo-Nationalpark (die Schreibweise ist einfach überall anders). Betreten konnten wir den Park leider nicht (zu teuer), aber die Fahrt auf 1800 m Höhe war schon beeindruckend. Außerdem gab es noch die Besichtigung einer Chagga-Höhle mit Hütte und eines Wasserfalls (richtig schön).

Rückkehr: Die Rückreise dauerte wieder etwa 24 h, dieses Mal mit 2 Stunden Zeitverschiebung.

Jeep, Flieger, Flieger, ICE, RE, Auto. Immerhin war das Gepäck leicht (bei mir insgesamt 13 kg).

Viel länger als die Rückreise dauert die Wiedereingewöhnung in Deutschland. Ich versuche eine gewisse Ruhe und Gelassenheit weiter festzuhalten, während ich gleichzeitig von Zivilisationsproblemen der Schülerinnen und Schüler (z.B. "Ich konnte nicht rechtzeitig zum Unterricht kommen, weil mein Handy noch Updates installiert hat") nichts wissen will.

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Mein Fazit der Reise: Alles Wesentliche lief glatt, die Fortschritte auf der Baustelle können sich sehen lassen und alle sind gesund und zufrieden zurückgekommen.

Ich fahre nächstes Jahr sofort wieder mit – wer möchte mitkommen?

 

Text: A. Hinken

Fotos:  Sr. Almuth, Pia Fallenberg, Frederike Herbstmann, André Hinken, Peter Hollmann, Anna Schrey, Jannik Schürmann

 

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